Tango ist doch was für Abschlepper und Aufreißer

„Geht’s beim Tango für die Männer nicht nur darum Frauen aufzureißen und abzuschleppen?“ fragt Andrea, meine Arbeitskollegin. „Nein, natürlich nicht“, sage ich. – Doch dann denke ich an diesen jungen Mann aus der Türkei, der so schön sinnlich und sanft getanzt hat. Ich habe mich wirklich gut aufgehoben gefühlt und den Tanz sehr genossen, bis ich auf einmal seine Zunge in meinem Ohr hatte. Ich denke an auch Craig, den Amerikaner, der ein ganzes Festival lang versucht hat, mit mir zu tanzen. Doch mich hielt irgendetwas davon ab. Was genau, konnte ich nicht sagen, denn es sah nicht schlecht aus, wie er tanzte. Am letzten Abend gab ich mir einen Ruck und ihm seine Chance.  Es fühlte sich tatsächlich gut an, mit ihm zu tanzen. Er zeigte sich auch ganz begeistert. Als die Tanda zu Ende war und er mich von der Tanzfläche geführt hatte – die Nacht war schon weit fortgeschritten -, sah er mich an und fragte: „What are you going to do tonight?“ Ich konnte nicht glauben, dass er diese Frage so meinte, wie ich befürchtete, dass er sie meinte und antwortete sehr sachlich: „I am going to the after party.“ Er schaute mir weiter direkt in die Augen und sagte: „Are you sure? Maybe I have a better option. We could have a drink together and my hotel is very close.” – Ich räuspere mich, schaue meine Arbeitskollegin Andrea an und dann korrigiere ich meine Aussage:  “Nun, sagen wir, es sollte nicht um‘s Abschleppen und Aufreißen gehen und zum Glück ist das bei den meisten Tänzern auch so.“

Ein Kommentar zu „Tango ist doch was für Abschlepper und Aufreißer

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  1. Schwierig wird es, wenn Tango und Flirt in unguter (=übergriffiger) Weise – insbesondere während einer gemeinsamen Tanda – vermengt werden.
    Daher scheint es mir – wie in vielen anderen Kontexten auch – sinnig, den Kontext zu ändern und z.B. vorzuschlagen, noch gemeinsam etwas trinken zu gehen in einer Bar oder sich anderweitig zu verabreden. Da ist beiden dann klar, dass es auch in eine andere Richtung als „nur Tango“ gehen könnte. So gesehen finde ich den Ansatz von Craig mit einem Ortswechsel schon OK. Gleich mit dem Hotel zu kommen: naja, das fällt dann wohl unter das Thema „zu direkte Anmache“.

    Generell finde ich, dass sich alle Themen die unter #metoo diskutiert wurden, so auch im Tango finden. Dass ist aber auch wenig überraschend, einfach deshalb, weil sich im Tango keine „besseren“ oder „schlechteren“ Menschen treffen als sonstwo. Der Kontext bringt es hier halt nur mit sich, dass unerwünschte Grenzüberschreitungen auch während des Tanzens (scheinbar) „unauffälliger“ möglich sind. Sich dagegen direkt und klar zu wehren und direkt ein „Stopp“ zu setzen, sollte selbstverständlich sein (bzw. werden, falls es das noch nicht ist).

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