Dufte Typen

Olfaktorische Betrachtungen Teil 1

Auf einer Milonga trifft man viele Gerüche, vor allem menschliche und solche, die von Menschen gerne genutzt werden.

Das ist ein heikles Thema.

Mein Geruchssinn ist sehr feinsinnig, das ist Fluch und Segen zugleich.

Wenn Andere manchmal nur „Irgendetwas“ riechen, bin ich meist in der Lage zu sagen, aus welchen Duftkomponenten sich dieses „Irgendetwas“ zusammensetzt und häufig erschnüffle ich etwas, bevor andere es wahrnehmen. Ebenso nehme ich sehr schnell den ganz individuellen Geruch von Personen wahr.

Wie bei (fast) allen Menschen ist der Geruchssinn bei mir mit Erinnerungen und Empfindungen aller Art verknüpft. Der Duft der günstigen Sonnenmilch eines bekannten Discounters beamt mich sofort in den Italienurlaub meiner Kindheit zurück.

Auch kürzlich hatte ich solch ein Erlebnis. Auf einer Milonga habe ich eine Tanda mit einem mir unbekannten Mann getanzt. Es war einer dieser glücklichen Tanzmomente, wo von Anfang an alles stimmig war. Der Tanz, die Umarmung die Musikalität und – sein Duft! Ein sehr dezentes aber sehr angenehmes, frisch-warmes Herrenparfum das wahrscheinlich schon ein wenig verflogen war aber optimal mit seinen Pheromonen harmonierte. Am nächsten Tag stellte ich fest, dass dieser Duft noch an dem Oberteil haftete, das ich grad in die Waschmaschine stecken wollte – ich schloss für einen Moment die Augen und hatte nochmal das wundervolle Gefühl, dass ich während der Tanda hatte.

Soviel zu den absolut schönen Seiten einer „feinen“ Nase.

Zu dumm jedoch, wenn sich die Duftassoziationen genau anders zutragen. Ich glaube, dass fast Jede/r einen Menschen hat, an den sie/er sich nur allzu ungern olfaktorisch erinnert.

Bei mir ist es die Erinnerung an einen nicht sehr sympathischen entfernten Verwandten, der bei Familienfesten vor allem durch sein lautes und alkoholisiertes Verhalten auffiel. Begleitet durch das Aftershave T., eine Alkohol- und Zigarettenfahne und leicht säuerlichem Schweißgeruch.

Leider trägt P. aus meiner Tango-Peergroup das gleiche Aftershave wie „Onkel“ E.

Ich mag P.
P. tanzt gut und ist ein sehr gepflegter, sympathischer, einfühlsamer Typ. Kein Schweiß-, Zigaretten-, oder Alkoholgeruch. Aber der Duft von T.

Ich kann ihn einfach nicht riechen!

Es reichen drei Schritte in enger Umarmung und mir wird übel und ich habe die gleichen Empfindungen, die ich damals hatte, wenn Onkel E. in der Nähe war.

Das ist dann wohl die Kehrseite der Duft-Medaille.

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